Hausgartenkomposte - ein Gesundheitsrisiko?
Emissionen aus Industrieanlagen, Haushalten und insbesondere dem Straßenverkehr belasten heute mit einer Vielzahl von schädlichen Verbindungen unsere Umwelt. Diese allgemeinen Umweltbelastungen der Luft machen natürlich nicht vor unseren Gärten halt, sondern gelangen auf unsere Böden, auf Pflanzen und reichern sich unter Umständen dort an.
Auch Schadstoffe, die wir in der Vergangenheit mit dem Einsatz langlebiger Pflanzenschutzmittel oder der Anwendung von Klärschlamm in unsere Böden gebracht haben bzw. als Altlasten in Böden vorhanden sind, stellen heute noch mögliche Belastungsquellen bei der Nutzung von Gärten dar. Nicht zuletzt können aktuelle Pflanzenschutzmittelanwendungen und Düngemaßnahmen zu nicht beabsichtigten Einträgen von Problemstoffen in unsere Gärten führen.
Viele Kleingärtner verarbeiten anfallenden organischen Abfall wie Gras- und Baumschnitt, Laub, sonstige Pflanzenabfälle und vielleicht auch Küchenabfälle zu wertvollem Kompost. Hierbei taucht die Frage auf, ob die Luftverschmutzungen sowie die im Boden und pflanzlichen Material befindlichen Schadstoffe sich möglicherweise negativ auf die Qualität des selbst produzierten Kompostes auswirken und damit zusätzliche Anreicherungen im angebauten Gemüse und Obst infolge der Kompostanwendung bewirken.
Untersuchungen zu dieser Problematik in Hausgärten bei Böden, Komposten und Nahrungspflanzen auf Schwermetalle, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Polychlorierte Biphenyle und Nährstoffe lassen folgende Schlüsse zu:
Eine wesentliche Belastung durch Schwermetalle konnte nicht festgestellt werden. Die Gehalte in den Gartenkomposten sind in der Regel gering bzw. leicht erhöht. Insbesondere bei optimalen pHBedingungen des Bodens (pH Wert 6 - 7) und einer guten Humusversorgung ist die Verfügbarkeit von Schwermetallen für die Pflanzen stark herabgesetzt. Somit ist auch das Pflanzenmaterial als Ausgangsstoff für die Kompostierung nur gering belastet.
Untersuchungen in hessischen Kleingartenanlagen belegen, dass die Belastungen des Bodens und die der Komposte sich in vergleichbaren Größenordnungen bewegen. Höhere Verunreinigungen im Boden, welche in Ballungsgebieten oder bei Altlasten durchaus auftreten, wirken sich aufgrund des relativ geschlossenen Stoffkreislaufes im Garten auch in erhöhten Belastungen des Kompostes aus. Spezielle und auffällige Anreicherungstendenzen im Kompost können darüber hinaus nicht festgestellt werden. Allerdings weisen die Untersuchungsergebnisse auch darauf hin, dass zum Teil individuelle, durch den Einzelnen verursachte Schadstoffeinträge möglich sind. Jeder einzelne Kleingärtner sollte daher zusätzliche Belastungen in seinem Garten vermeiden, indem mit besonderer Aufmerksamkeit und entsprechendem umweltbewussten Handeln diesen entgegengewirkt wird.
Untersuchungen zur Rückstandssituation bei Komposten auf schwer abbaubare Wirkstoffe wie Lindan, Dieldrin, DDT, Endrin, Hexachlorbenzol und Heptachlor aus Pflanzenschutzmittelanwendungen früherer Jahre, erbrachten ebenfalls nur geringe oder vernachlässigbare Gehalte an diesen Verbindungen. Auch die in der heutigen Umweltdiskussion heftig kritisierten Polychlorierten Biphenyle (PCB) stellen in den Komposten keine bedenklichen Stoffe dar. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Komposte wertvolle Nährstoffträger sind, die durch ihre Nährstoffgehalte bei unsachgemäßer Anwendung zu Umweltbelastungen beitragen können. Eine überreichliche Kompostdüngung, zumal in Verbindung mit zusätzlichen Mineraldüngergaben, kann nicht nur die Qualität der Ernteprodukte herabsetzen, sondern auch die Auswaschungsgefahr von Nitrat ins Grundwasser verstärken.
So werden mit einer Kompostgabe von 1 Liter pro m2 dem Boden ca. 5 g Stickstoff/m2 zugeführt. Auch wenn nur ein geringer Teil dieses Stickstoffes während der Vegetationsperiode zur Verfügung steht, sollte zur Vermeidung von Überversorgungen des Bodens mit Nährstoffen (insbesondere Phosphor und Kalium) die Anwendung von Komposten im Garten auf 1 - 2 Liter pro m2 beschränkt sein. Lediglich bei Kulturen mit einem hohen Nährstoffbedarf wie Kürbis, Sellerie, Kohlrabi, Porree, Blattkohlarten kann die Kompostgabe bis zu 3 Liter pro m2 betragen.
Zu beachten ist, dass in den ersten Jahren einer Kompostanwendung die Stickstoffzufuhr über den Kompost den Bedarf der Pflanzen nicht abdeckt, somit eine zusätzliche Stickstoffdüngung notwendig wird. Neben einer bedarfsgerechten Düngung, die auch die Nährstoffzufuhr durch den Kompost berücksichtigt, müssen wir zur Vermeidung von Nährstoffverlusten in das Grundwasser darauf achten, Kompostgaben immer zu Vegetationsbeginn oder unter die wachsenden Pflanzen zu geben und nicht in den auswaschungsgefährdeten, vegetationslosen Herbstund Wintermonaten.
Insgesamt machen die Untersuchungen deutlich, dass Komposte aus dem eigenen Garten in der Regel keinen bedenklichen Schadstoffanreicherungen unterlegen sind und daher ohne Probleme eingesetzt werden können. Nur in besonderen Belastungsfällen sind weitere Maßnahmen in Form von Nutzungseinschränkungen sowie Verzehrsempfehlungen notwendig und zu ergreifen.
Selbstverständlich müssen schadstoffhaltige Materialien wie Klärschlammkomposte, Kohlenasche, der Inhalt von Staubsaugerbeuteln, Farbreste, Illustriertenpapier, Reste von Pflanzenschutzmitteln, Batterien oder auch die Abfälle von Chemietoiletten von der Kompostierung bzw. der Anwendung im Garten ferngehalten werden. Genauso selbstverständlich zur Vermeidung zusätzlicher Belastungen und zur Schonung der Umwelt sollte der Verzicht bzw. der sorgfältige und umweltbewußte Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln im Haus- und Kleingarten sein.
Komposterde enthält neben den beschriebenen Schadstoffen und Rückständen auch verschiedene Pilze und deren Sporen. Für abwehrgeschwächte und allergieanfällige Personen ist der Umgang mit Kompost gesundheitlich nicht ganz unproblematisch. Risikogruppen sollten daher das Arbeiten mit Kompost unterlassen und sich gegebenenfalls mit einem Arzt in Verbindung setzen.
Fazit
"Komposte lassen sich nach wie vor mit gutem Gewissen im Garten verwenden. Negative Auswirkungen sind nur dann zu befürchten, wenn unmäßig hohe Gaben eingesetzt werden."









