Saatgut, Bestandesdichten, Beizschutz

Abpackung Saatgut

Rapssaatgut wird in verschiedenen Einheiten angeboten. Einen Überblick darüber, was es mit den unterschiedlichen Verpackungseinheiten auf sich hat, gibt die nächste Tabelle:

Abgabemenge

eingesäte Fläche (ha) je nach Saatstärke
40 Kö/m²
50 Kö/m²
60 Kö/m²
Einheit à 2 Mio. keimfähige Körner
5
4
3,3
Einheit à 1,5 Mio. keimfähige Körner
3,7
3
2,5

Bei einigen Firmen werden auch andere Packungsgrößen angeboten: der Unterschied besteht in 1,5 bzw. 2 Mio Körnern oder keimfähigen Körnern pro Einheit (Keimfähigkeit mit eingerechnet oder nicht).

Bestandesdichten und Bestandsziele der Vorwinterentwicklung

 

Notwend. Saatstärke
bei 85 % Feldaufgang

Anzahl Blätter vor Winter

erwünschter Wurzeldurchm. vor Winter

Liniensorten

40 – 55 Körner/m2

8 Blätter

8 mm

Hybridsorten

35 – 45 Körner/m2

10 – 12 Blätter

9 mm

Wichtig!
Zur Berechnung der Aussaatstärke generell auf das TKG achten! Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die TKG`s, je nach Sorte, von 4,5 bis ca. 10 g pro 1000 Körner schwanken.

Beizschutz

Um den Abrieb der Beize so weit wie möglich zu vermeiden, wurden die Beiztechnik und die Haftmittel weiter verbessert. Bei sorgfältig durchgeführter Aussaat (behutsamer Umgang mit dem Saatgut) wird somit der Abrieb auf ein Minimum reduziert. Dabei sind die neuen Auflagen für Rapsbeizen zu beachten (siehe unten).

Für die Rapsaussaat 2011 stehen wie gewohnt eine Reihe verschiedener Beizvarianten zur Verfügung, um je nach Bedarf und Notwendigkeit einen optimalen Schutz vor Auflaufkrankheiten (Phoma, Rhizoctonia, Falschen Mehltau u. a.) oder Schädlingen (Erdfloh, Kohlfliege) zu erreichen. Frühsaaten sollten wenn möglich unterbleiben, da sie eine größere Gefährdung durch Pilzbefall, vor allem Verticillium, Kohlfliegenbefall und Kohlhernie bedeuten. Allgemein wird für Frühsaaten grundsätzlich die Premium-Beize (Elado) empfohlen.

Der Befall mit der kleinen Kohlfliege beschränkt sich nicht nur auf die Kohlanbaugebiete, sondern tritt unter günstigen Witterungsbedingungen (3. Kohlfliegengeneration bei langer Trockenheit) auch in anderen Gebieten auf. Eine vorbeugende Bekämpfung ist nur über eine Beizung möglich. Die Kohlfliege fliegt bevorzugt üppige Frühsaaten an und legt dort ihre Eier ab. Der Hauptschaden entsteht durch die Larven.

Die Premium-Beize (grün gefärbtes Saatgut) erreicht in der Praxis Wirkungsgrade von ca. 60 % (Cruiser OSR schwächer). Unter solchen Bedingungen sollte die Premiumbeizung als Standard gewählt werden. Durch einen geringeren Kohlfliegenbefall vermindert sich auch das Infektionsrisiko für Verticillium, das zunehmend auf den Flächen zu finden ist. In Gebieten oder unter Bedingungen mit geringerem Kohlfliegendruck stellt die Chinookbeize den Standard dar.

 

Um die unterschiedlichen Beizen optisch unterscheiden zu können, weisen sie eine unterschiedliche Färbung auf.

  • Die Premiumbeizung (grün gefärbtes Saatgut) sollte besonders bei Früh- und Dünnsaaten als Standardbeizung ausgewählt werden, Sie ist mit höheren Kosten bis zu 18,00 €/Einheit Saatgut (entspricht 3,00-7,00 €/ha, je nach TKG und Saatstärke) verbunden.
    Späte Saaten (Anfang Sept.) sowie schwierige Mulch- oder Direktsaaten können durch eine Zusatzbeize gegen den Falschen Mehltau mit DMM (rot gefärbtes Saatgut) gefördert werden. Diese Kombination wird für die Premiumbeize nur für ein eingeschränktes Sortenspektrum angeboten; deshalb bei Bedarf Saatgut rechtzeitig bestellen! Zusätzliche Kosten sind 18,00 €/Einheit Saatgut (entspricht 3,00-7,00 €/ha, je nach TKG und Saatstärke).
  • Die Cruiser OSR-Beize enthält 3 Wirkstoffe; die Wirkstoffkombination verleiht der Beize auch unter trockenen Bedingungen eine gute Wirkungsstärke. Thiamethoxam ist für die Insektizidwirkung verantwortlich, Metalxyl-M wirkt gegen pilzliche Erreger, Fludioxonil kontrolliert die wichtigsten Auflaufkrankheiten mit guter Pflanzenverträglichkeit und ist auch für Dünn- und Spätsaaten geeignet.
  • Diese Beize ist von der Wirkung und vom Preis vergleichbar mit Chinook + DMM und wird für Sorten von Syngenta, LG, Euralis und Pioneer angeboten.
  • Als Einfachbeize hat sich die Kombination aus dem Insektizid Chinook (blau gefärbtes Saagut) und dem Fungizid Thiram durchgesetzt; unter normalen Befallsbedingungen bietet sie bis zum 4-Blattstadium einen guten Schutz gegen den Raps-Erdfloh.
    Späte Saaten (Anfang Sept.) sowie schwierige Mulch- oder Direktsaaten können durch eine Zusatzbeize gegen den Falschen Mehltau mit DMM (rot gefärbtes Saatgut) gefördert werden. Diese Kombination wird auch für die Standardbeize nur für ein eingeschränktes Sortenspektrum angeboten; deshalb bei Bedarf Saatgut rechtzeitig bestellen! Zusätzliche Kosten sind 18,00 €/Einheit Saatgut (entspricht 3,00-7,00 €/ha, je nach TKG und Saatstärke)

 

Saatgutbeizungen für Winterraps

Präparat 

Wirkstoffe 

Wirkung* 

Bemerkungen 

Insektizide

Fungizide

Premium (Elado)

beta-Cyfluthrin
+ Clothianidin

TMTD

Erdfloh 6-8 Blatt gute Wirkung gegen Kohlfliege

Für Frühsaaten empfehlenswert

Zusatz:

 

+ DMM

Zusätzlich gegen Falschen Mehltau

für Spätsaaten und ungünstige Bedingungen geeignet

Cruiser OSR

Thiamethoxam

Fludioxynil
+ Metalaxyl

Erdfloh bis 6-Blatt; Teilwirk. gegen Kohlfliege u. gegen Falschen Mehltau

Für Spät- u. Dünnsaaten und ungünstige Bedingungen, für Sorten von Syngenta, LG, Euralis, Pioneer

Chinook
 

beta-Cyfluthrin
+ Imidacloprid

TMTD

Erdfloh bis 4-Blatt

Normal ausreichend

Zusatz:

 

+ DMM

Zusätzlich gegen Falschen Mehltau

Vor allem bei Spätsaaten

Erläuterungen:        TMTD = Thiram                   DMM = Dimethomorph

*alle Beizen schützen vor pilzlichen Auflaufkrankheiten wie Phoma, Phytium spp., Rhizoctonia u.a.

 

 

Neue Auflagen für Rapsbeizen

Die Giftigkeit von neonicotinoidhaltigen Wirkstoffen gegenüber Bienen hat dazu geführt, dass spezielle zusätzliche Auflagen zum Schutz der Bienen eingeführt wurden. Desweiteren ist aber auch die hohe Vogeltoxizität der Beizen von Bedeutung, sodass jegliches verschütten, nachrieseln und nicht abgedecktes Saatgut zu vermeiden ist.

Für alle oben aufgeführten Beizen (Premium (Elado), Cruiser OSR und Chinook) sind folgende Auflagen von besonderer Bedeutung:

NH6632: Der Betriebsleiter ist verpflichtet, die zur Aussaat des behandelten Saatgutes vorgesehenen Flächen mindestens 48 Stunden vor der Aussaat Imkern bekannt zu geben, deren Bienenstände sich im Umkreis von 60 m um die Aussaatflächen befinden. 

NH679: Das Mittel ist giftig für Vögel; deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden.

NH681: Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s.

NH682: Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Sävorgang entstehender Stäube vollständig in den Boden einbringen.

NH6831: Die Aussaat von behandeltem Saatgut darf nur dann mit einem pneumatischen Gerät, das mit Unterdruck arbeitet, erfolgen, wenn dieses in der "Liste der abdriftmindernden Sägeräte" des Julius Kühn-Instituts aufgeführt ist (einzusehen auf der Homepage des Julius Kühn-Instituts www.jki.bund.de/geraete.htm).

Die meisten pneumatischen Sägeräte für die Rapsaussaat werden mit Überdruck betrieben. Somit trifft die Auflage für diese Geräte nicht zu. Eine Einzelkornsaat mit Unterdruckgeräten wird derzeit nur von wenigen Betrieben vorgenommen.

Für die mit Unterdruck betriebenen Geräte ist die Liste für abdriftmindernde Maissägeräte gültig! Eine spezielle Liste für Raps ist momentan nicht vorhanden. Bitte die Liste abdriftmindernde Maissägeräte ansehen.