Hessen Logo Impressum| Kontakt

Service für Sie

         Feldtag am 4. September 2007 in Schauenburg-Hoof

Kosteneinsparung bei der Bodenbearbeitung - 500 Besucher beim Feldtag im nordhessischen Schauenburg-Hoof

Trotz widriger Witterungsverhältnisse besuchten am 4. September mehr als 500 Teilnehmer den von LLH, Kuratorium und der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB)
mit Beteiligung der 12 namhaftesten Gerätehersteller für Mulch- und Direktsaatverfahen ausgerichteten Feldtag im nordhessischen Schauenburg-Hoof.

Die Diskussionen um das Für und Wider zur pfluglosen Bodenbearbeitung reisen nicht ab. Seitens der Landmaschinenindustrie werden ständige Verbesserungen der einschlägigen Technik offeriert und mit zunehmendem Erfolg in der Praxis eingesetzt. Besondere Bedeutung erlangt dabei die Schlagkraft der mulchenden Bearbeitungs- und Bestellverfahren oder auch Direktsaatverfahren, die im Vergleich zur Bodenbearbeitung mit Pflug und anschließender Bestellung bei gleichen Antriebsleistungen erhebliche Zeit- und Dieseleinsparungen – und damit auch Kosteneinsparungen – bringen sollen. Ein weiterer Aspekt für diese Bearbeitungsverfahren wird in der Reduzierung von Erosionsgefahren und Verbesserung der Bodenstruktur gesehen. Nachteile sind ein erhöhter phytosanitärer Aufwand, der sich derzeit durch die Möglichkeiten des modernen Pflanzenschutzes noch relativ gut beherrschen lässt.
Für viele Betriebe stellt sich daher die Frage, ob sich die Vorteile der konservierenden Bodenbearbeitung auch unter ihren Bedingungen umsetzen lassen und dabei die Ertragslage gesteigert werden kann.

Dieser Fragestellung wurde zu Beginn des Feldtages auch in den Begrüßungsansprachen von LLH-Direktor Andreas Sandhäger, dem Vorsitzenden der GKB, Jörg Wagner, und der Fachausschussvorsitzenden des Beratungskuratoriums Annette Seifert-Ruwe nachgegangen. Die Entscheidung für oder gegen den Pflugeinsatz ist dabei vielerorts zu einer Weltanschauung stigmatisiert worden. Fakt ist allerdings, dass die Mulchtechnik oder Direktsaatverfahren neue Strategien im Pflanzenbau erfordern und die Techniken zunehmend Eingang in die Praxis finden. Anstehende Investitionsentscheidungen werden in nicht wenigen Fällen auch durch die gestiegenen Erzeugerpreise für Raps und Getreide beflügelt. Die meisten Hersteller freuen sich über eine lebhafte Nachfrage und volle Auftragsbücher.

Zur Einstimmung auf die geplanten Demonstrationen und Vorführungen am Nachmittag wurden im prall gefüllten Festzelt der Gaststätte Himmel Kurzvorträge über die Kosten des Ackerbaus (Anne Mawick, LLH), der Erfahrungsbericht eines Praktikers (Frank Käufler, GKB) und über die Optimierung pflugloser Bearbeitungsverfahren (Prof. Dr. Ulrich Groß, FH Triesdorf) gehalten. Anne Mawick vom LLH konnte anhand von Auswertungen des hessischen Testbetriebsnetzes und der Ergebnisse aus hessischen Arbeitskreisbetrieben darstellen, dass spezialisierte und größere Ackerbaubetriebe die besseren Leistungen und geringeren Aufwendungen pro ha erzielen und sich dadurch im Betriebserfolg entscheidend absetzen. So müsse derzeit bei Marktfruchtbaubetrieben von einer Schwelle von 100 ha ausgegangen werden, die in den meisten Fällen entwicklungsfähige Haupterwerbsbetriebe von nicht mehr entwicklungsfähigen trennt. Am stärksten werde dies Ergebnis durch die Kostenspanne bei den Arbeitsmitteln von 150.- bis 170.- €/ha beeinflusst, die laut Buchführungsabschlüssen zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Betrieben mit sonst gleichen Bedingungen klafft.









„Volles Haus“ beim Feldtag
in Schauenburg-Hoof:

Auch aus den nahe liegenden Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen waren interessierte Landwirte angereist.

 

Frank Käufler berichtete über seine Erfahrungen im pfluglosen Ackerbau den er seit über 10 Jahren im eigenen NE-Betrieb praktiziert. Entscheidend für ein geringes Anbau- und Ertragsrisiko sei ein hoher und gleichmäßiger Feldaufgang der Saaten, der in erster Linie durch eine geeignete Fruchtfolge mit hohem Blattfruchtanteil erreicht werde. Für den pfluglosen Ackerbau stelle besonders der Anbau von Stoppelweizen ein hohes Risiko dar, dem nur durch intensivere Stoppelbearbeitung zur Förderung der Strohrotte, die Auswahl geeigneter Sorten mit guter Krankheitsresistenz, der Vermeidung von Krankheitsdruck durch „grüne Brücken“, Erhöhung der Saatgutmenge um 30 bis 50 Körner/qm und exakte Saatgutablage (ca. 1 cm tiefer) zu begegnen sei. „Die Stoppelbearbeitung muss bereits eine Bodenbearbeitung zur Saatbettbereitung darstellen!“, so das Fazit.








Die Referenten des Tages (von links):

Frank Käufler (GKB),
Anne Mawick (LLH),
Dierk Koch (LLH als Organisator) und Prof. Dr. Ulrich Groß
(FH Triesdorf)

Kostenvorteile gegenüber dem Pflugeinsatz bereits aufgebraucht“, so der Hochschullehrer. Aus eigenen Untersuchungen habe die fehlende Spreu-Breitverteilung älterer Mähdrescher bei folgenden Rapssaaten zu Verlusten beim Feldaufgang von 36 auf 20 Pflanzen/qm verursacht. Daher sei ein intensives Strohmanagement das A und O der pfluglosen Bodenbearbeitung. Neben der Strohverteilung sei die Ursache schlechter Auflaufbedingungen auch in unzureichenden Häcksellängen (optimal 2 bis 3 cm) und mit Krankheiten befallenen Stroh- und Wurzelresten im (Mulch)Saathorizont zu suchen. Groß empfiehlt allen, die vom Pflugeinsatz zu konservierenden Bodenbearbeitungsverfahren wechseln wollen, zunächst in kleinen Schritten vorzugehen und sich an die neuen Anforderungen heranzutasten. „Gerade inhomogene Bodenverhältnisse erfordern eigene Strategien, die nicht als Rezept zur Verfügung stehen! Enge, getreidebetonte Fruchtfolgen mit hohem Strohanfall, hohes Wirtschaftsdüngeraufkommen, Viehhaltung, schlechte Bodenstruktur mit geringem Porenraum erfordern eine intensive Form der konservierenden Bodenbearbeitung mit mehr Arbeitsgängen und ausgefeilter Saattechnik, während bei guter, intakter Bodenstruktur mit hoher biologischer Aktivität und ausreichenden Porenraum, ohne Strukturschäden und weiter Fruchtfolge wesentlich extensiver vorgegangen werden kann,“ so der Referent. Unter den letzgenannten Aspekten kämen die Kostenvorteile der konservierenden Bodenbearbeitung auch erst merklich zum Tragen.

Ziel des Feldtages war auch, die sonst üblichen Technikvorführungen durch die Präsentation von Arbeitsergebnissen auf Demonstrationsparzellen im Betriebs von Kiekebusch zu ergänzen. Hier war von den beteiligten Herstellerfirmen am 06. und 07. August unter Praxisbedingungen einheitlich Raps mit 45 Körnern/qm ausgesät worden. Den Besuchern präsentierten sich die Parzellen mit zum Teil deutlich sichtbaren Unterschieden bezüglich Feldaufgang und Pflanzenentwicklung. Nähere Informationen zu den Demonstrationsparzellen und der eingesetzten Technik waren in einem eigens aufgelegten Tagungsband verfügbar und wurden Vorort durch LLH-Berater gegeben und vorgestellt. Trotz widriger Witterungsbedingungen war der Feldtag für alle Teilnehmer höchst informativ und konnte sicherlich vielen potentiellen „Umstellern“ wichtige Entscheidungshilfen geben.











Welches Verfahren schneidet am besten ab?
LLH-Berater Marco Schneider erläutert aus dem Frontladerkorb die Demonstrationsversuche mit Rapssaaten.

 











25 verschiedene Geräte zur pfluglosen Bodenbearbeitung und Bestellung
demonstrierten den Stand der heutigen Technik

 

Text: Dr. Ernst-August Hildebrandt, LLH
Bilder: Kirsten Petri-Mayer und Jennifer Kolling, LLH

 

© Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
Kölnische Straße 48-50, 34117 Kassel,
Tel.: (0561) 7299-0, Fax: (0561) 7299-220
E-Mail:Zentrale Poststelle