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Historische Entwicklung des Bieneninstituts
Die 1928 durch den Preußischen Wissenschaftsminister als "Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht bei dem Zoologischen Institut der Universität Marburg" gegründete Einrichtung hat bis zum heutigen Tage eine wechselvolle Geschichte durchlaufen. Zunächst ohne Rechtsträgerschaft und festen Etat, war die Entwicklung in besonderem Maße von dem Engagement und der Ausstrahlung ihres ersten Leiters, Dr. Karl Freudenstein, abhängig. Vor allem durch die intensive Schulungstätigkeit über die bösartige Faulbrut konnte sich das Institut schon bald einen guten Ruf erarbeiten, und das von Freudenstein verfaßte "Lehrbuch der Bienenkunde" wurde zu einem Standardwerk. 1933 wurde die Anstalt in die Trägerschaft der "Landesbauernschaft Kurhessen" übernommen und insbesondere im Hinblick auf die Förderung des Seidenanbaus spürbar ausgebaut. Nach dem Krieg ging die Anstalt 1945 in die Trägerschaft der Landwirtschaftskammer Kurhessen über. Der bereits 1937 als Assistent am Institut tätige Dr. Karl Dreher wurde mit der Leitung beauftragt. Die Anstalt hat sich fortan intensiv der Züchtungsarbeit zugewendet und durch den Ausbau des Schulungs- und Ausbildungsangebotes starken Einfluß auf die Entwicklung der Imkerei in Hessen genommen. Ende der 40er Jahre erfolgte der Aufbau einer Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen, aus der die heutige Untersuchungsstelle bei der BBA in Braunschweig hervorgegangen ist. Nach dem Ausscheiden von Dr. Dreher folgte 1950 Dr. Oskar Wahl nach, unter dessen Leitung die Laboruntersuchungen zu Bienenkrankheiten, damals insbesondere der Tracheenmilbe und der Nosema, erheblich ausgeweitet wurden. Aufgrund drastischer Einsparungsmaßnahmen konnte der Fortbestand der Institution ab 1956 nur Dank des massiven Engagements der Kurhessischen Imkerschaft gesichert werden, deren Verband unter der Leitung von Dr. Wolfgang Fahr bis 1956 selbst die Trägerschaft übernommen hat. Betriebswirtschaftliche Fragestellungen erlangten in dieser Phase ein größeres Gewicht, der Bienenbestand wurde auf über 300 Völker ausgebaut und ein wesentlicher Teil des Budgets mußte durch den Honigverkauf selbst erwirtschaftet werden. Ab dem 1.1.1966 hat das Land Hessen die Trägerschaft des Instituts übernommen, dabei die Verwaltung der Landwirtschaftskammer Kurhessen übertragen und wenig später zur Verbesserung der räumlichen Gegebenheiten eine Verlegung nach Kirchhain in das heutige Institutsgebäude veranlaßt. Nach Auflösung der Landwirtschaftskammern in Hessen erfolgte 1970 eine Einbindung des Instituts als Abteilung für Bienenzucht in die Landesanstalt für Tierzucht. Eng damit verbunden war eine stärkere Gewichtung züchterischer Fragestellungen. Unter der Leitung von Dr. Volprecht Maul wurde ab 1970 ein eigener Carnica-Zuchtbestand aufgebaut, der unter der Bezeichnung "Kirchhainer Population" weit über Hessen hinaus Bedeutung erlangt hat. Bei der Auslese wurde erstmals konsequent eine Anpassung an moderne Magazinbeuten und eine darauf abgestimmte extensive Betriebsweise verfolgt. Bis heute spielen die Fortentwicklung von Prüfmethoden und ihre Vermittlung an die Praxis eine zentrale Rolle. Ebenso gehören Vergleiche von in der Praxis verbreiteten Zuchtlinien und Rassen im Sinne eines Warentests zum regelmäßigen Prüfungsumfang. Die zur Praxisreife entwickelte Technik der instrumentellen Besamung führte, unterstützt vom Deutschen Imkerbund, zum Aufbau einer zentralen Besamungsstation. Durch die Abgabe tausender reingepaarter Königinnen und die Ausbildung vieler Züchter in der Besamungstechnik ging von hier ein nachhaltiger Einfluß auf die Zuchtarbeit aus. Mit der Einschleppung der Varroatose trat ab 1977 die Entwicklung geeigneter Bekämpfungsmaßnahmen in den Mittelpunkt der Untersuchungstätigkeit. Dabei wurde besonderes Gewicht auf den Einsatz organischer Säuren und auf biotechnische Strategien, etwa in Form des Bannwabenverfahrens, gelegt. Seit 1990 sind die Arbeitsschwerpunkte "Krankheitsbekämpfung" und "Züchtung" durch die Entwicklung von Selektionsmethoden zur Steigerung der Varroatoleranz eng verknüpft. Erste Felduntersuchungen belegen, dass die Anwendung der in den letzten Jahren entwickelten Methoden zu einer Verbes-serung der Widerstandsfähigkeit führen kann und daher für eine integrierte Varroabekämpfung zukünftig von großer Bedeutung sein wird. Seit 1997 wird das Institut von Dr. Ralph Büchler geleitet. Zum Personalbestand gehören heute zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, ein Fachberater für Bienenzucht, sechs Imker, eine Labor-, eine Büro- und mehrere Aushilfskräfte sowie eine Auszubildende. In Kooperation mit den Universitäten Marburg und Gießen werden bienenkundliche Lehrveranstaltungen angeboten sowie Diplom- und Doktorarbeiten betreut. Für die Untersuchungen stehen etwa 300 Bienenvölker und Laboreinrichtungen für Honigqualitäts-, Krankheits-, mikrobiologische und molekularbiologische Untersuchungen zur Verfügung. Mit jährlich etwa 30 Lehrgangstagen wird ein umfangreiches Fortbildungsangebot für Imker, Bienensachverständige und andere Interessentengruppen realisiert.
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