Vorführung: „Onlandpflug“ Ovlac mini und der neue Treffler Präzisionsgrubber
Hohe Schlagkraft mit geringem Kraftstoffaufwand sind nach der Ernte der Hauptkultur die wesentlichen Kriterien für den Einsatz der technischen Geräte. Es gilt die Ernterückstände einzuarbeiten sowie optimale Keim- und Auflaufbedingungen für die ausgefallenen Samen der Kulturpflanzen und von Unkräutern zu schaffen. Im ökologischen Landbau sind es zusätzlich Wurzelunkräuter wie Ampfer und Distel, die zu diesem Zeitpunkt bei entsprechenden Witterungsbedingungen und intelligenter Technik in Schach gehalten werden können.
Im folgenden Beitrag sollen stellvertretend für die beiden Systeme „wendend“ und „nicht wendend, d.h. mischend und lockernd“ je ein Gerät vorgestellt werde. Gemeinsam ist ihnen eine flache Bearbeitungstiefe und einen relativ geringer Kraftstoffbedarf.
Der Naturland-Verband und das Öko-Beratungsteam im LLH hatten zu einer Maschinenvorführung eingeladen. Mehr als 30 Landwirte, Auszubildende und Praktikanten konnten sich auf einem Schlag mit Sommerwicken-Zwischenfrucht von der Arbeitsweise des neuen Treffler-Grubbers überzeugen.
Premiere des Präzisionsgrubbers von Treffler auf der hessischen Staatsdomäne Hofgut Marienborn/Wetterau: Lockern und Mischen
Dieser Schlag war vorher einmal mit einer Kurzscheibenegge flach bearbeitet worden. Der Zinkengrubber lieferte bei ca. 7 cm einen gleichmäßig unterschnittenen, nicht verdichteten Bodenhorizont. Die gefederten Zinken weichen bei Steinen nach oben aus und sind mit speziellen, sehr breit überlappenden und flach schneidenden Gänsefußscharen ausgestattet.
Für eine tiefere Bearbeitung können alternativ Meißelschare angebracht werden. Hinter den vier Zinkenreihen befindet sich das Fahrwerk inklusive gefederter Zustreicher. Dahinter folgt eine selbstreinigende Doppelpackerwalze plus Striegel.
Der Treffler-Grubber ist nur an der Ackerschiene angehängt. Dadurch ist das Wenden fast auf der Stelle möglich, da der Einschlagwinkel je nach Schlepper und Bereifung ca. 100 Grad beträgt. So sind Anschlussfahrten ohne Zurücksetzen am Vorgewende möglich. Die 3 – Meter - Ausführung ist sehr leichtzügig und mit einem Schlepper ab 80 PS fahrbar. Es bleibt noch abzuwarten wie sich der Grubber auf sommertrockenen Stoppeln bewährt.
Einsatzmöglichkeiten: geeignet für sehr flache bis mitteltiefe Bodenbearbeitung von ca. 2-18 cm, auch im Frühjahr
Vorteile:
- Ist mit sehr niedrigem Reifenluftdruck fahrbar, da Hinterachse nicht belastet wird
- flache Stellung der selbstschärfenden Gänsefußschare, diese sind leichtzügig und gewährleisten einen ausreichend überlappenden Schnitt
- exakte Tiefenführung durch Stützräder möglich
- Durchwuchs von Klee-, Luzerne-, Gras-, Ampfer- und Unkrautwurzeln wird durch Überlappen der Schare um 8 cm verhindert
- Grubber soll nach Herstellerangaben weitgehend verstopfungsfrei arbeiten und auch bei sehr hohen und sperrigen Ernterückständen, wie z.B. Lagergetreide bzw. Körnermaisstroh, eingesetzt werden können
Nachteil:
- neigt auf stark hängigen Flächen zum Seitenzug, Hangscheibe nachrüstbar
Der Grubber wird auf der Agritechnica 2009 vorgestellt. Belastbare Aussagen über Vor- und Nachteile sind später möglich, wenn weitere Erfahrungen in der Praxis gesammelt wurden.
Technische Angaben:
Arbeitsbreiten: 3 m, 4,40 m und 5,80 m in gezogener Ausführung
Vordere Tiefenführung durch 4 Pendelstützräder
4-balkige Ausführung, 17 gefederte Zinken bei 3 m Arbeitsbreite, Strichabstand 17,7 cm
Gänsefußschare 26 cm breit, entspricht 8 cm Überlappung
Abstand der Zinkenträger: 73 cm
Rahmenhöhe: 70 cm
Fahrwerk befindet sich zwischen Grubberzinken und Ringpackerwalze,
Spurweite: 2,10 m
Der Grubber kann mit einer pneumatischen Aufbausämaschine aus- bzw. nachgerüstet werden. Die Saatgutablage erfolgt hinter den Grubberstielen. Ideal ist das Gerät für die Zwischenfruchtaussaat z.B. mit großkörnigen Leguminosen.
Kontakt: Maschinenbau Paul Treffler, Reichersteiner Straße 24, 86554 Pöttmes-Echsheim
Internet: www.maschinenbau-treffler.de

Treffler Präzisionszinken-Grubber v.l. : der Konstrukteur Paul Treffler und der Leiter des Arbeitskreises Öko-Ackerbau, Arnold Nau-Böhm, LLH Marburg
Der Ovlac-Mini Schälpflug von Einböck: Flach wenden
Auf dem Hofgut Marienborn in der nördlichen Wetterau kommt nach der Ernte der Hauptfrucht entweder eine Kurzscheibenegge oder der Ovlac Pflug zum Einsatz. Bei der Vorführung auf dem mit Zwischenfrucht bestellten Schlag, der in diesem Fall vorher bereits mit der Kurzscheibengge bearbeitet worden war gelang es mit dem Ovlac-Schälpflug der Firma Einböck den gut abgetrockneten und garen Boden flach, bei ca. 7-8 cm, zu pflügen.
Der Schlepper fährt mit diesem Pflug „onland“, d.h. neben der Pflugfurche. Dadurch soll die Verdichtung unter der Pflugsohle vermieden werden. Ein klassischer Schälpflug unterschneidet durch die Überlappung zu 100% und legt den Erdstrom um 180° gewendet auf den Unterboden ab. Das konnte bei der Vorführung im Detail nicht beobachtet werden.
Auf dem Hofgut Marienborn mit seinen teilweise schweren Böden ist er als Volldrehpflug mit Streifenkörpern, Dungeinlegern und permanenter Steinsicherung ausgestattet. Die relativ schmalen Erdbalken werden durch die besondere Scharform gut gewendet und eingedreht. Über eine Scherschraube (Mini-RF) erfolgt die Standard - Steinsicherung.
Als Extraausstattung steht eine hydraulisch (Mini-RH) permanente Steinsicherung zur Verfügung. Der Auslösedruck kann mittels eines Druckmanometers eingestellt werden.
Einsatzmöglichkeiten: Arbeitstiefe von ca. 8-18 cm, optimal sind ca. 13 cm
Vorteile:
- stabile Rahmenkonstruktion durch „Fachwerkbauweise“, ermöglicht „onland“-Konzept
- automatische Zugpunktregelung, d.h. der Pflug wird durch eine pendelnde Zugschiene geführt, keine Einstellung erforderlich
- Pflugschar-Meißel garantiert optimalen Einzug
- Stroh- und Dungeinleger arbeiten Ernterückstände und Wirtschaftsdünger gut ein
- flaches Pflügen reduziert den Dieselaufwand je ha erheblich
- bei gleicher Arbeitstiefe und -breite ähnlich hohe Flächenleistung wie mit dem Grubber (bei zwei Arbeitsgängen)
Nachteile:
- Auf sehr schweren und tonigen Böden nicht immer einsetzbar, besonders nach leichtem Regen besteht Schlupfgefahr
- der vorausgegangene Arbeitsgang soll mindestens 5 cm flacher sein, da der Schälpflug eine feste Bodenschicht zur Führung und zum Wenden benötigt
- bei Kleegrasumbruch berichteten Teilnehmer von nicht immer optimalen Ergebnissen

Der Ovlac-Schälpflug wird „onland“ d.h. neben der Pflugfurche gefahren v. l.: Betriebsleiter Christoph Förster und Naturland-Fachberater Martin Trieschmann
Technische Angaben:
6- und 8- Scharpflüge um jeweils ein oder zwei Schare erweiterbar
RF-Ausführung: Scherbolzensicherung der Pflugkörper
RH-Ausführung: hydraulische Überlastsicherung des Pflugkörpers
Geteilte Schare mit wendbarem Meißel
Arbeitsbreite: 35 cm pro Körper
Tiefenkontrolle: Stützrad hinten Ø 55 cm, Breite: 16,5 cm
Kontakt: Firma Einböck GmbH & Co KG, Schatzdorf 7, A-4751 Dorf/Pram, Österreich
Internet: www.einboeck.at
Fazit:
Beide Maschinen haben sich im Praxistest auf dem Hofgut Marienborn unter optimalen Bodenverhältnissen bewährt.
Bei der Auswahl des für den jeweiligen Standort passenden Systems der Stoppelbearbeitung sind die Bearbeitungsziele von entscheidender Bedeutung. Was soll erreicht werden? Welche Bodenbedingungen liegen vor? Zu welchen Kulturen sollen die Geräte überwiegend eingesetzt werden?
Dafür gibt es keine Patentrezepte und keine Pauschallösungen. Sicher können beide Geräte einen Beitrag leisten, wenn der Boden minimal bearbeitet werden soll.
Es lohnt sich die Maschinen auf Vorführungen im Einsatz zu beobachten und bei Bedarf auf den eigenen Betriebsflächen unter die Lupe zu nehmen.
Text und Fotos: Heinz Gengenbach, Öko-Beratungsteam, LLH Griesheim
E-Mail: heinz.gengenbach@llh.hessen.de
|