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Eichhof

 

 

Die Geschichte des Eichhofes

Das Schloß zu den Eichen, wie der Eichhof früher genannt wurde, liegt etwa 3 km südlich der Stadt Bad Hersfeld im Fuldatal. Ursprünglich stellte das Bauwerk eine Wasserburg dar, die von den Äbten des Klosters Hersfeld als Trutzfeste gegen die Stadt errichtet wurde. Eine steinerne "Gründungsurkunde", die früher - eingerahmt von gotischen Steinplastiken der Erbauer - über dem Hauptportal angebracht war, befindet sich heute innen im Schloßgebäude. Sie gibt an, daß Abt Ludwig von Mansbach 1328 mit dem Bau begonnen hat und Abt Berthold von Völkershausen ihn 1372 vollendete. Das Gebäude hatte damals allerdings ein etwas anderes Gesicht als heute: Es war eingeschossig gebaut und von zwei Wassergräben umgeben, von denen der erste durch eine Mauer, der zweite durch einen Palisadenzaun gesichert war. Nur der hohe Turm ist über die Jahrhunderte hinweg fast unverändert erhalten geblieben.

Anlaß für die Errichtung dieser stark befestigten Anlage waren die Spannungen, die sich im Spätmittelalter zwischen den Äbten und der Stadt entwickelten. Der Abt des reichsunmittelbaren Klosters übte neben der geistlichen Gewalt über den Konvent auch die weltliche Herrschaft über das Territorium des Klosters und somit auch über die Stadt aus, die Stadt ihrerseits strebte mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung nach Selbständigkeit. Sechs Jahre nach Erbauung des Eichhofes brach offener Krieg zwischen den Kontrahenten aus: Abt Berthold von Völkershausen versuchte in der Vitalisnacht 1378 mit Unterstützung eines Ritterbundes die Stadt im Handstreich zu nehmen. Der Überfall wurde blutig abgewehrt, der Abt zog sich auf den Eichhof zurück, der nun von den Hersfelder Bürgern, ebenfalls erfolglos, belagert wurde. Der Streit zog sich dann mit Unterbrechungen über Jahrzehnte hin, letztlich zum Nachteil beider Parteien. Kloster und Stadt erholten sich von den wechselseitig zugefügten Schäden nicht mehr. Sie verloren politisch und wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung.

Der drittletzte der Äbte, Ludwig Landau, ließ am Ende des Jahrhunderts, als die unruhige Zeit längst vorüber war, die Burg in ein freundliches, aber immer noch befestigtes Jagdschloss umbauen. Der Renaissancegiebel und das Fachwerk-Geschoss sind damals entstanden, das Schloss erhielt außerdem eine prächtige Innenausstattung, von der aber heute nur ein kleiner Rest im sog. Lutherzimmer erhalten ist. Es enthält eine sehenswerte Täfelung mit schönen Intarsien. In den Nischen der Täfelung befanden sich Bilder der Äbte, die aber sämtlich verloren gegangen sind.

Die Bezeichnung "Lutherzimmer" erinnert an ein besonderes Ereignis in der Geschichte des Eichhofes: Am 1. Mai 1521 wurde Martin Luther auf dem Wege vom Reichstag zu Worms zur Wartburg hier vom Abt Krato feierlich empfangen und wohl auch im Schloss beherbergt. Am folgenden Tag hat er dann auch in der Klosterkirche, deren Ruine die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt Bad Hersfeld darstellt, vor einem kleinen ausgewählten Kreis von Zuhörern gepredigt.

Mit dem Westfälischen Frieden wurde 1648, nachdem das Kloster schon lange zur Bedeutungslosigkeit abgesunken war, die Abtei in ein weltliches Fürstentum umgewandelt, das bald dem Landgrafen von Hessen zufiel. Der Eichhof diente nun längere Zeit als Sommerresidenz der Hessischen Landgrafen. Später hatte das Schloß noch verschiedene andere Funktionen, bis es nach 1866, als Kurhessen von Preußen einverleibt wurde, mit dem zugehörigen Grundbesitz preußische Domäne wurde.

Im Jahre 1945 übernahm das neugegründete Land Hessen die Domäne. Der Hessische Landtag beschloss dann 1952 den Dienstsitz der Hessischen Lehr- und Versuchsanstalt für Grünlandwirtschaft und Futterbau, die im Jahre 1947 in Wehrda bei Hünfeld auf Pachtflächen eingerichtet worden war, auf den Eichhof zu verlegen. Diese Regelung brachte beiden Einrichtungen Vorteil: Das alte Schloss wurde vor dem Verfall, der schon eingesetzt hatte, durch Renovierung und laufende Instandhaltung gerettet, die Forschungsanstalt erhielt durch den landwirtschaftlichen Betrieb mit eigenen Flächen und entsprechender Tierhaltung ausgezeichnete Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeit. Im Inneren musste freilich das Schloss vollständig umgebaut werden, um es der neuen Aufgabe anzupassen. Doch war ohnehin von der ursprünglichen Einrichtung fast nichts mehr erhalten. In seiner äußeren Form demonstriert aber der Eichhof auch heute noch ein Stück Hersfelder Geschichte - und damit auch ein Stück Reichsgeschichte.

 
 




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